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Longevity: Transformationen im Bereich Ernährung
Gesunde Ernährung genießt als Lifestyletrend aktuell große gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Gleichzeit möchten viele Menschen in Zeiten von Unsicherheit und Veränderung verstärkt auf sich selbst achten. Laut einer im Jahr 2025 durchgeführten Marktstudie gibt in Deutschland jeder Zweite bewusst mehr Geld für eine gesündere Ernährung aus. Zumindest für Teile der Bevölkerung sind Lebensmittel bereits Statussymbol und Beweis der Selbstwirksamkeit. Dies ist entlang der gesamten Wertkette von Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion, Lebensmittelhandel bis zur Außer-Haus-Verpflegung mit Gastronomie und institutionalisierter Gemeinschaftsverpflegung spürbar.
Boedecker.Colleagues unterstützen insbesondere Hersteller, Serviceunternehmen, Handel und Kommunen, die daraus resultierenden Transformationsprozesse erfolgreich zu meistern sowie neue Chancen zu entdecken und zu realisieren. Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln und implementieren wir dazu passende Geschäftsmodelle und Strategien. Die Themen Gesundheit, Wohlbefinden und Langlebigkeit (Longevity) sehen wir als Möglichkeit der Differenzierung und Premiumisierung. Diese eröffnet neue Nutzendimensionen und Preisspielräume. Sie basiert auf überdurchschnittlicher Produkt- und Beratungsqualität sowie strategischer Markenentwicklung, erfordert aber gleichzeitig ein regides Kostenmanagement. Ein wesentlicher Aspekt ist die kommunikative „Erlebnisarbeit“.
Alle Projekte unterstützen wir mit unserem Research. Die dabei für Ernährung, Lebensmittelherstellung, Lebensmittelhandel und Gastronomie generell relevanten Ergebnisse verdichten wir auf dieser Seite.
Longevity-Ernährung
Die gedankliche Verbindung von Gesundheit und Natur hat für die Ernährung in Deutschland bereits Tradition. Schon am Übergang vom 19. in das 20. Jahrhundert bestand diese Überzeugung in den Lebensreform-Bewegungen. Ab den 1970er Jahren wurde sie in der Öko-Bewegung vertreten. Beide Strömungen hatten jedoch vorrangig gesellschaftliche Ziele. Der aktuelle Trend zur Longevity-Ernährung dürfte dagegen aus Untersuchungen resultieren, unter welchen Lebensbedingungen die Menschen in den Blue Zones gesund ein überdurchschnittlich hohes Alter erreichen. Zunächst lenkten diese den Blick beispielsweise auf mediterrane Speisen, die gesundheitlichen Vorteile einer pflanzenbetonten Ernährung und einzelner Zutaten wie Olivenöl. Daraus ergab sich eine unverändert anhaltende Forschung zu Bedeutung und Zusammenwirken der einzelnen Makro- (Proteine, Fette, Kohlenhydrate) und Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe) sowie der sekundären Pflanzenstoffe (z.B. Carotinoide, Flavonoide, Monoterpene).
Aktuell sind chronische Entzündungsprozesse, die „Silent Inflammation“ ein wesentlicher Aspekt der Forschung und öffentlichen Diskussion. Diese lassen sich wahrscheinlich auf Alkohol- und Fleischkonsum, zu viel Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel zurückführen. Sie gelten als generelle Ursache von Alterungsprozessen. Insbesondere führen zunächst kaum spürbaren Entzündungen zu Autoimmunerkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall, Demenz und Depression. Eine Prävention erscheint durch Verzicht und optimierte Ernährung (z.B. Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe) möglich.
Bio-Lebensmittel
Indiz für eine vielfach veränderte Ernährung ist auch die erhöhte Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln, die im Jahr 2025 von etwa der Hälfte der Bevölkerung überwiegend aus Gesundheitsgründen bewusst gekauft wurden. Der entsprechende Umsatz des deutschen Einzelhandels hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt und betrug im Jahr 2025 über 18 Milliarden Euro. Jedoch liegen die Pro-Kopf-Ausgaben in Deutschland noch deutlich hinter denen anderer europäischer Länder.
Insbesondere klassischer Lebensmitteleinzelhandel, Discounter und Drogeriemärkte profitierten in den letzten Jahren von der erhöhten Nachfrage nach Bioprodukten. Sie bauten ihre Marktanteile auf insgesamt rund 70 Prozent aus. Bei verpackten Bioprodukten erzielten sie rund zwei Drittel ihrer Umsätze mit Eigenmarken, die zumindest den Anforderungen des EU-Bio-Siegels sowie teilweise auch den Verbändevorgaben von Demeter, Bioland oder Naturland entsprechen.
Die Bio-Markenhersteller setzen vor diesem Hintergrund verstärkt auf Produktinnovationen mit funktionalen Nutzenangeboten und emotionalerer Positionierung. Gleichzeitig geben sie ihre traditionelle Fachhandelstreue (sukzessive) auf und erschließen unter anderem über Convenience- und Tankstellenshops neue Absatzwege. Der traditionelle deutsche Bio-Fachhandel mit Bio-, Naturkost- und Hofläden, Reformhäusern und Biosupermärkten befindet sich durch verstärkten Preisdruck im Strukturwandel und benötigt neue Geschäftsmodelle.
Fleisch und Fleischersatzprodukte
Aus gesundheitlichen Gründen sowie Nachhaltigkeit und Ethik wird Fleisch oftmals bewusster als früher konsumiert. Damit wachsen Qualitätsansprüche und Zahlungsbereitschaft. Zudem ernährte sich im Jahr 2024 etwa jeder zehnte Mensch in Deutschland vollständig vegetarisch oder vegan. Parallel setzte rund ein Fünftel der Bevölkerung auf eine flexitarische Ernährung mit dem teilweisen Verzicht auf rotes Fleisch von Säugetieren.
Jeder zehnte greift zumindest gelegentlich nach Fleischersatzprodukten, die aber (noch) ein Nischenprodukt sind. Vielfach handelt es sich um hochverarbeitete Lebensmittel, die auf Soja, Weizen-, Lupinen- oder Erbsenproteinen basieren. Produktalternativen auf Pilzmyzel- und Mikroalgenbasis dürften Marktchancen haben. Entsprechend entwickeln sich eigenständige Lebensmittelkategorien jenseits der Ersatzprodukte.
Proteinreiche Lebensmittel
Ein weiteres Indiz für gesundheitsbewusste Ernährung ist die seit Jahren steigende Nachfrage von Lebensmitteln, die reich an Eiweiß (Protein) oder mit dem Makronährstoff sogar zusätzlich angereichert sind. Generell dient dieser dem Körper unter anderem zum Aufbau von Muskeln, Zellen und Enzymen sowie als Energielieferant. Ein anschauliches Beispiel für das veränderte Konsumverhalten ist das ursprünglich aus Island stammende, eiweißreiche und fettarme Sauermilcherzeugnis Skyr. Dieses wird inzwischen auch in Deutschland produziert und im gesamten Lebensmittelhandel angeboten. Aufgrund von in den sozialen Medien viral gehenden TikTok- und Instagram-Rezepten entwickelte sich zu Jahresbeginn 2026 ein regelrechter Hype um das Produkt, der zu Lieferengpässen führte und letztlich auch das Interesse jüngerer Generationen an Ernährungsthemen, Gesundheit und Fitness belegt.
Ganz allgemein ist für jeden zweiten „High Protein“ in der Ernährung ein wichtiger Aspekt. Ergebnis sind auch zusätzlich mit Protein angereicherte Lebensmittel. Jedoch scheint der Höhepunkt des „Protein-Maxxing“ erreicht.
Stattdessen setzen Verbraucher offenbar verstärkt auf Lebensmittel, die zusätzliches Kollagen, Biotin, Kreatin und Zink enthalten. Auch nimmt die Nachfrage nach Lebensmitteln mit Prä- bzw. Probiotika zu; beispielsweise sollen Limonaden durch Ballaststoffe die Darmgesundheit steigern.
Alkohol und alkoholfreie Getränke
Insbesondere für jüngere Konsumentengruppen (Gen Z, Millennials) wird der Verzicht auf Alkohol zu einem „neuen Normal“. Während die deutschen Brauereien seit Jahren insgesamt Absatzrückgänge verzeichneten, erreichte der Marktanteil von alkoholfreien und alkoholarmen Bieren inzwischen gut zehn Prozent. Neben entsprechenden „Fernsehbieren“ der Brauereikonzerne entstehen in der Nische alkoholfreie und teilweise stark gehopfte Craft-Beer-Styls. Alkoholfreie Weine sind aufgrund innovativer Entalkoholisierungsmaschinen beziehungsweise Kombination von Vakuumdestillation und Aromarückgewinnung, Umkehrosmose oder Schleuderkegel-Technologie nach Einschätzung von Fachleuten inzwischen im „Genusssegment“ angekommen. Auch klassische Spirituosen wie Ouzo und Bitter-Aperitifs werden alkoholfrei angeboten.
Zudem entsteht eine neue eigenständige Produktkategorie alkoholfreier „Proxy Drinks“. Bei deren Herstellung wird auf eine alkoholische Gärung verzichtet. Ihr komplexes Geschacksprofil basiert auf fermentierten Tees, Kräutern, Gewürzen, Früchten oder Blüten.
Nachhaltigkeit
Nicht zuletzt lassen sich neue Konzepte der saisonalen und regionalen Ernährung feststellen, die nicht nur unter dem Gesichtspunkt der gesunden Langlebigkeit sondern auch unter dem Aspekt der Nachhaltig optimiert sind. Beispielsweise lässt sich durch kürzere Transportwege eine größere Frische erreichen. Davon unabhängig kann die erkennbare Herkunft von Lebensmitteln zusätzliches Wissen und Vertrauen schaffen.
Personalisierte Ernährung
Ganz generell gibt es den Trend zu einer personalisierten Ernährung. Diese geht einher mit einer umfassenden Gesundheitsberatung, um Mängel und Vorboten von Krankheiten frühzeitig zu erkennen. In diesem Bereich besteht Differenzierungspotenzial für Apotheken und Reformhäuser.
Trotz digitaler Gesundheitslösungen dürfte der Bedarf an Ernährungswissenschaftlern und spezialisierten Ärzten deutlich steigen.
Welche Ideen haben Sie zum Thema gesunde Ernährung? Gern unterstützen wir Sie bei Ihrer Positions- und Kursbestimmung. Nehmen Sie doch Kontakt mit uns auf!
Weitere Informationen: Überblick Longevity - Sport und Bewegung