Research | Longevity | Gesunde Langlebigkeit
Für ein Megathema Ideen finden und umsetzen
Gesund ein hohes Alter erreichen. Aus diesem Wunsch vieler Menschen ist in den letzten Jahren das facettenreiche Megathema „gesunde Langlebigkeit“ beziehungsweise „Longevity“ entstanden. Das Research von Boedecker.Colleagues bietet Beratung und Services für Unternehmen und Kommunen, um mit dem allgemeinen Gesundheits- und Wellnesstrend verbundene spezifische Chancen zu entdecken und zu realisieren. Ausgehend von Ihren ersten Geschäftsideen entwickeln und optimieren wir mit Ihnen Geschäftsmodell, Unternehmens- und Markenstrategie, unterstützen Sie bei Innovationsmanagement, Unternehmens- und Finanzkommunikation sowie Personalmarketing.
Longevity als Lebensstil
Grundsätzlich bietet das Thema Longevity unternehmerisch vielfältige Handlungsoptionen. Dies betrifft auch das kreative Erneuern und Erweitern bestehender Leistungsangebote. Denn gesunde Langlebigkeit bedeutet nach unserer Definition, mit möglichst vollständigem körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefinden die Zahl der Lebensjahre zu steigern. Daraus hat sich die Selbstverständlichkeit entwickelt, den Lebensstil durch Bewegung und Ernährung, Schlaf und emotionalen Ausgleich gesundheitlich zu optimieren. Alle vier Faktoren wirken sich sowohl auf das physische als auch das psychische Wohlbefinden aus. Drei Viertel der Bevölkerung haben in den letzten Jahren das Bewusstsein für Prävention gesteigert. Zumindest für Teile der jüngeren Generation entwickelt sich Gesundheit zum Statussymbol.
Entsprechend werden unterstützende Leistungsangebote als „Investitionen in die Zukunft“ verstärkt nachgefragt. Nach einer Marktuntersuchung aus dem Sommer 2025 möchte jeder dritte Deutsche unter 45 Jahren zukünftig mehr Geld für das eigene Wohlbefinden ausgeben. Gesundheitliche Selbstoptimierung (Biohacking) steht hoch im Kurs. Parallel gewinnt die Langlebigkeitsmedizin an Bedeutung. Dazu zählen auch Gesundheits-Apps sowie verschreibungsfähige Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Öffentliche Beachtung findet zudem die Epigenetik und damit der Einfluss von Umweltfaktoren auf die Genfunktionen. Innovative Medikamente, Wirkstoffe und Therapien sollen typische „Alterserkrankungen“ (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, neurodegenerative Erkrankungen) verhindern und heilen, die Zellalterung stoppen sowie das Neubilden von gesunden Zellen unterstützen. Entsprechend verschieben sich auch die Erwartungen an die Heilberufe.
Und nicht zuletzt strahlt das Thema Longevity in viele andere Lebens- und Wirtschaftsbereiche aus. Im deutschsprachigen Raum zählt fast jeder Dritte inzwischen zu den „Health Informers“, die sich aktiv über Themen der gesunden Langlebigkeit informieren. Entsprechend sind diese bei Strategie und Kommunikation zu berücksichtigen. Segmentspezifisch könnte die nachvollziehbare Beachtung von gesunder Langlebigkeit in zahlreichen Branchen mittelfristig zu den Basisfaktoren für Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit zählen.
Dies verändert die Nachfragestrukturen: Insbesondere im höherpreisigen Segment sind individualisierte Lösungen gefragt, die körperliches, geistiges und emotionales Wohlbefinden optimieren. Dies erfordert Innovationen bei Angebot und Leistungserstellung. Zudem gewinnen Konzepte einer ganzheitlichen Differenzierung in allen Preissegmenten an Bedeutung. Nicht zuletzt wächst die Zahl der Menschen, die ein höheres Lebensalter zumindest im weitgehenden Wohlbefinden und mit entsprechenden Erwartungen erleben. Sie sind damit gegebenenfalls Zielgruppe; bisher galten sie als nicht werberelevant und sollten daher „entdeckt“ werden.
Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel
Medial genießt die Ernährung im Zusammenhang mit Longevity aktuell wahrscheinlich die größte Aufmerksamkeit. Für viele Menschen wächst in Zeiten von Unsicherheit und Veränderung das Bedürfnis, auf sich selbst zu achten. Laut einer im Jahr 2025 durchgeführten Marktstudie gibt in Deutschland jeder Zweite bewusst Geld für eine gesündere Ernährung aus. Zumindest für Teile der Bevölkerung werden Lebensmittel zum Statussymbol und Beweis der Selbstwirksamkeit.
Indiz für diese Entwicklung ist auch die erhöhte Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln, die im Jahr 2025 von etwa der Hälfte der Bevölkerung überwiegend aus Gesundheitsgründen bewusst gekauft wurden. Der entsprechende Umsatz des deutschen Einzelhandels hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt und betrug im Jahr 2025 über 18 Milliarden Euro. Jedoch liegen die Pro-Kopf-Ausgaben in Deutschland noch deutlich hinter denen anderer europäischer Länder.
Insbesondere klassischer Lebensmitteleinzelhandel, Discounter und Drogeriemärkte profitierten in den letzten Jahren von der erhöhten Nachfrage nach Bioprodukten. Sie bauten ihre Marktanteile auf insgesamt rund 70 Prozent aus. Bei verpackten Bioprodukten erzielten sie rund zwei Drittel ihrer Umsätze mit Eigenmarken, die zumindest den Anforderungen des EU-Bio-Siegels sowie teilweise auch den Verbändevorgaben von Demeter, Bioland oder Naturland entsprechen. Die Bio-Markenhersteller setzen vor diesem Hintergrund verstärkt auf Produktinnovationen mit funktionalen Nutzenangeboten und emotionalerer Positionierung. Gleichzeitig geben sie ihre traditionelle Fachhandelstreue (sukzessive) auf und erschließen unter anderem über Convenience- und Tankstellenshops neue Absatzwege. Der traditionelle deutsche Bio-Fachhandel mit Bio-, Naturkost- und Hofläden, Reformhäusern und Biosupermärkten befindet sich durch verstärkten Preisdruck im Strukturwandel und benötigt neue Geschäftsmodelle; diese lassen sich ausgehend von der Idee der gesunden Langlebigkeit entwickeln und implementieren.
Ursprung für den Longevity-Trend in der Ernährung waren zunächst Untersuchungen, unter welchen Lebensbedingungen Menschen gesund ein hohes Alter erreichen. Dies lenkte den Blick beispielsweise auf mediterrane Speisen sowie die gesundheitlichen Vorteile einer pflanzenbetonten Ernährung und einzelner Zutaten wie Olivenöl. Zwischenzeitlich ist das Vermeiden von chronischen Entzündungsprozessen, den „Silent Inflammation“ in den Fokus gerückt. Diese lassen sich wahrscheinlich auf Alkohol- und Fleischkonsum, zuviel Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel zurückführen. Sie gelten als generelle Ursache von Alterungsprozessen. Insbesondere führen zunächst kaum spürbaren Entzündungen zu Autoimmunerkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall, Demenz und Depression. Eine Prävention erscheint durch Verzicht und optimierte Ernährung (z.B. Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe) möglich.
Vor diesem Hintergrund sowie aus Gründen der Nachhaltigkeit und Ethik wird Fleisch oftmals bewusster als früher konsumiert. Damit wachsen Qualitätsansprüche und Zahlungsbereitschaft. Zudem ernährte sich im Jahr 2024 etwa jeder zehnte Mensch in Deutschland vollständig vegetarisch oder vegan. Parallel setzte rund ein Fünftel der Bevölkerung auf eine flexitarische Ernährung mit dem teilweisen Verzicht auf rotes Fleisch von Säugetieren. Jeder zehnte greift zumindest gelegentlich nach Fleischersatzprodukten, die aber (noch) ein Nischenprodukt sind. Vielfach handelt es sich um hochverarbeitete Lebensmittel, die auf Soja, Weizen-, Lupinen- oder Erbsenproteinen basieren. Produktalternativen auf Pilzmyzel- und Mikroalgenbasis dürften Marktchancen haben. Entsprechend entwickeln sich eigenständige Lebensmittelkategorien jenseits der Ersatzprodukte.
Ein weiterer Trend ist der vermehrte Griff zu eiweißangereicherten Produkten, die Gesundheit, Leistung und Regeneration unterstützen sollen. Für jeden zweiten ist „High Protein“ in der Ernährung ein wichtiger Aspekt. Jedoch scheint der Höhepunkt des „Protein-Maxxing“ erreicht. Stattdessen setzen Verbraucher offenbar verstärkt auf Lebensmittel, die zusätzliches Kollagen, Biotin, Kreatin und Zink enthalten. Auch nimmt die Nachfrage nach Lebensmitteln mit Prä- bzw. Probiotika zu; beispielsweise sollen Limonaden durch Ballaststoffe die Darmgesundheit steigern.
Der zunehmende Verzicht auf Alkohol wird bei Bier und Wein teilweise zu einem „neuen Normal“. Er lässt neue Technologien, Produktionsprozesse sowie Produktinnovationen entstehen. Wie beim Fleischersatz entstehen dadurch eigenständige Produktkategorien. Während die deutschen Brauereien seit Jahren insgesamt Absatzrückgänge verzeichneten, erreichte der Marktanteil von alkoholfreien und alkoholarmen Bieren inzwischen gut zehn Prozent. Bestimmt wird diese Entwicklung maßgeblich durch jüngere Konsumentengruppen (Gen Z, Millennials), die Alkohol bewusst reduzieren oder vermeiden. Neben entsprechenden Angeboten der „Fernsehmarken“ entstehen in der Nische alkoholfreie und teilweise stark gehopfte Craft-Beer-Styls. Parallel werden verstärkt innovative Getränke angeboten, die auf eine alkoholische Gärung verzichten und mittels Fermentierung hergestellt werden.
Nicht zuletzt lassen sich neue Konzepte der saisonalen und regionalen Ernährung feststellen, die nicht nur unter dem Gesichtspunkt der gesunden Langlebigkeit sondern auch unter dem Aspekt der Nachhaltig optimiert sind. Beispielsweise lässt sich durch kürzere Transportwege eine größere Frische erreichen. Davon unabhängig kann die erkennbare Herkunft von Lebensmitteln zusätzliches Wissen und Vertrauen schaffen. Das Research von Boedecker.Colleagues unterstützt unter anderem Unternehmen aus Landwirtschaft, Lebensmittelherstellung, Handel und Gastronomie derartiger Konzepte zu entwickeln und zu realisieren. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die kommunikative „Erlebnisarbeit“.
Deutlich wächst seit der Corona-Pandemie das Geschäft mit Vitaminen und Mineralstoffen sowie Pflanzen- und Kräuterextrakten. Diese sind als freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel (Nutritional Supplements) erhältlich. Der Verkauf erfolgt über Apotheken und Drogeriemärkte, Biofachhandel, Reformhäuser und übrigen Lebensmitteleinzelhandel, Online-Shops und Strukturvertriebe. Jährlich kommen etwa 8000 neue Produkte auf den Markt. Rund 80 Prozent der Bevölkerung haben derartige Präparate bereits genutzt. Jeder Dritte - insbesondere Menschen unter 30 Jahren - nimmt sie täglich. Entsprechend hoch ist oftmals der Umsatzanteil im Handel. Jedoch liegt der deutsche Pro-Kopf-Umsatz im internationalen Vergleich noch deutlich zurück.
Nach Studien ist die deutsche Bevölkerung zwar grundsätzlich gut mit Nährstoffen versorgt. Dennoch sind bei einzelnen Bevölkerungsgruppen Mängel feststellbar. Die Einnahme der Nahrungsergänzungsmittel erfolgt jedoch überwiegend ohne eine entsprechende Diagnose. Zudem werden teilweise auch Vorteile einer Überdosierung vermutet.
Ganz generell gibt es den Trend zu einer personalisierten Ernährung. Diese geht einher mit einer umfassenden Gesundheitsberatung, um Mängel und Vorboten von Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Trotz digitaler Gesundheitslösungen dürfte sie den Bedarf an Ernährungswissenschaftlern und spezialisierten Ärzten deutlich steigen lassen.
Fitness und Wellness
Vom allgemeinen Trend zu gesunder Langlebigkeit beziehungsweise Longevity profitieren auch Angebote für Sport und Bewegung. Selbstoptimierung und Vorsorge lassen viele Menschen nach neuen Leistungsangeboten suchen. Wesentliche Aspekte sind physische Fitness sowie Stressbewältigung. Primär resultieren daraus Chancen für Sportvereine und Fitness-Clubs, Hotellerie und Tourismus. Erste auf gesunde Langlebigkeit spezialisierte Clubs stehen in Deutschland vor dem Start. Gleichzeitig eröffnen sich durch innovative Technologien sowie Digitalisierung neue Geschäftsfelder. Und nicht zuletzt ergeben sich relevante Verknüpfungsmöglichkeiten.
Mehr zu diesem Themenkomplex finden Sie hier.
Mentales Wohlbefinden, Schlaf und emotionaler Ausgleich
Die Bedeutung von mentalem Wohlbefinden (Mentale Fitness) für gesunde Langlebigkeit beziehungsweise Longevity wird in den letzten Jahren zunehmend deutlich. Von der AOK für das Jahr 2025 durchgeführte Analysen zeigen, dass psychische Erkrankungen zwar nur wenige Prozent der Krankschreibungen verursachen. Daraus resultieren jedoch durchschnittlich fast 30 Ausfalltage beziehungsweise über 40 Prozent der gesamten Ausfallzeiten.
Positiv wirken sich offenbar soziale Kontakte, Optimismus und Lebenssinn, Stressmanagement und ausreichend Schlaf auf das mentale Wohlbefinden aus. Alle Faktoren stärken die persönliche Widerstandsfähigkeit (Resilienz). Sie vermeiden damit chronischen bzw. „oxidativen Stress“. Dieser führt zu einem Überschuss des Stresshormons Cortisol sowie in der Folge Schlafstörungen, Gewichtszunahme und Erschöpfung. Dadurch können neben psychische Erkrankungen (u.a. Abhängigkeitserkrankungen, Depression, Essstörungen) auch „Silent Inflammation“ beziehungsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen entstehen.
Derzeit analysiert das Research von Boedecker.Colleagues verschiedene Themen rund um Stress und Stressmanagement. Ein Schwerpunkt sind Leistungsangebote, um durch Einsamkeit entstehenden Stress zu vermeiden sowie tiefere soziale Kontakte zu fördern. Zudem beschäftigen wir uns mit Programmen zur individuellen Förderung von Achtsamkeits- und Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation.
Weiter analysieren wir im Rahmen des Krisen- und Innovationsmanagements, wie betriebliche Stressursachen durch Optimieren von Leistungsangebot und Leistungserstellung zu beseitigen sind sowie das mentale Wohlbefinden von Mitarbeitenden durch Unternehmenskultur, Führungsverhalten und Empowerment zu steigern ist. Offenbar bestehen auch deutliche Zusammenhänge zwischen derartigen Aktivitäten sowie der intern wie extern wahrgenommenen Arbeitgeberattraktivität (Arbeitgebermarke).
Tourismus und Hotels
Darüber hinaus werden Aspekte der gesunden Langlebigkeit für Innovationen mit ganzheitlichen Leistungen aufgegriffen. In Tourismus und Hotellerie werden bereits bekannte Spa- und Wellness-Angebote erweitert. Zusätzlich zu Saunen, Dampfbädern und Pools runden vermehrt Geräte für Kälte-, Licht-, Sauerstoff- und Drucktherapien das Angebot ab. Weiter werden Medical Wellness, Regenerations- und Präventionsprogramme ausgebaut. Spezialisierte Retreats (Rückzugsorte) für Körper, Geist und Seele bieten darüber hinaus Schulungen und Trainings für Sport, Yoga und Meditation sowie medizinische Checks und personalisierte Ernährungskonzepte an.
Das Research von Boedecker.Colleagues verdeutlicht, dass für alle Angebotserweiterungen fundierte kommunikative Unterstützung erforderlich ist. Gleichzeitig lassen sich Strategien entwickeln und implemenitieren, um mit Longevity-Tourismus Nischenmärkte außerhalb der Hochsaison zu erschließen, höhere Auslastungsquoten zu erzielen sowie über entsprechende touristische Produkte eine stärkere Markendifferenzierung zu erreichen.
Immobilien und Stadtentwicklung
Auch entwickeln Immobilienunternehmen optimierte Wohnformen und -anlagen für die aktive „Silver Generation“. Diese hat das Pensionsalter bereits erreicht, ist aber nicht pflegebedürftig. Entsprechend verstehen sich die Immobilien als „Gegenentwurf“ zu den herkömmlichen Alten- und Pflegeheimen. Mit speziell abgestimmten Zusatzangeboten sind sie auf Co-Living-Erlebnisse und gesunde Langlebigkeit ausgerichtet. Dabei reicht das Spektrum von Wohngemeinschaften, über Mehrgenerationen-Wohnprojekte, bis zu Mixed-Used-Konzepten im Clubstyle mit Service-Wohnen, großzügigen Gemeinschaftsflächen und Gastronomie, Spa, Sauna und Fitness. Nach aktuellen Studien ist die Mehrheit der Deutschen für derartige neue Wohnformen aufgeschlossen. Das Research von Boedecker.Colleagues unterstützt Investoren und Betreiber, entsprechende Geschäftsmodelle aus Sicht der Zielgruppen zu optimieren.
Um die Gesundheitssysteme zu entlasten, wird der Gedanke einer gesunden Langlebigkeit zunehmend auch in die Stadtplanung integriert beziehungsweise mit anderen Nachhaltigkeitszielen kombiniert. Dies führt beispielsweise zum Schaffen von grün-blauen Infrastrukturen mit öffentlichen Parks und Wasserflächen, um körperliche Aktivitäten der Bevölkerung sowie die Klimaresilienz von Kommunen zu fördern. Weiterer Aspekt ist das verstärkte Angebot von Gemeinschaftsflächen und Möglichkeiten zur sozialen Interaktion bei der Quartiersentwicklung. Darüber hinaus ist in Rahmen von Stadtentwicklung und Innenstadtbelebung auch ein Trend zu „Longevity Clustern“ zu erkennen. In zentraler Lage fassen diese unterschiedliche Angebote für Gesundheit und Wohlbefinden räumlich zusammen. Neben spezialisierten Einzelhandel und Gastronomie sind auch Fitness- und Wellness-Anbieter, Medizinische Versorgungszentren und auf gesunde Langlebigkeit spezialisierte Service- und Beratungsunternehmen zu finden. Erlebnisorientiert können die Kunden nicht nur kaufen, sondern sich auch informieren und vernetzen.
Gesundheitswirtschaft
Der Trend zu gesunder Langlebigkeit beziehungsweise Longevity eröffnet für niedergelassene Ärzte, Kliniken und andere Akteure der Gesundheitswirtschaft neue Chancen und Tätigkeitsbereiche. International setzt sich der medizinische Ansatz durch, die Gesundheitsspanne (Jahre mit allgemeinem Wohlbefinden) zu verlängern und den Weg zu einem längeren, gesünderen Leben evidenzbasiert zu gestalten. Ein wesentlicher Aspekt für die gesamte Gesundheitswirtschaft wird Prävention. Dies betrifft Krankheitsvorbeugung (Primärprävention), Krankheitsfrüherkennung (Sekundärprävention) sowie Vorbeugung von Folgeschäden und Rückfällen (Tertiärprävention).
Für die Diagnose sind bekannte Techniken sind mit Ganzkörper-MRT oder umfassendes Blutbild im Rahmen der Prävention neu zu positionieren. Als innovativer Trend haben sich kombinierte Ansätze aus Gerodiagnostik und Gerotherapeutik herausgebildet: Zunächst wird dazu unabhängig von den chronologischen Lebensjahren das biologische Alter des Körpers ermittelt. Dies ist beispielsweise durch epigenetische Tests (chemische Veränderung der DNA) oder Bestimmung der Telomerlänge (Hinweis auf die Fähigkeit zur Zellerneuerung), aber auch die Analyse von bereits länger bekannten Biomarkern möglich. Darauf aufbauend lassen sich dann personalisierte Therapien entwickeln, um die Zellalterung zu reduzieren bzw. die natürliche Zellerneuerung zu unterstützen.
Hinsichtlich der gezielten Beeinflussung der Zellalterung werden unter anderem Infusionsen („IV-Drips“) von Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren vermehrt angeboten. In den letzten Jahren hohe Beachtung fand in diesem Zusammenhang Nicotinamidadenindinukleotid (NAD). Dabei handelt es sich um ein körpereigenes Coenzym, das Einfluss auf Geist, Schlafqualität und Immunsystem hat. Durch NAD + Infusionen soll der gesunkene Spiegel im Bedarfsfall wieder aufgefüllt werden. Positive Erfahrungen mit dem entsprechenden Wirkstoff bestehen in der psychiatrischen Burnout- und Depressionstherapie.
Auf langen Traditionen basierende Konzepte wie das Heilfasten werden nach aktuellen medizinischen Erkenntnissen bis zur „Longevity Clinic“ mit ärztlicher Begleitung für körperliche und mentale Gesundheit ausgebaut. Ein wesentliches Aspekt ist dabei die Zellreinigung (Autophagie). Wachsende Bedeutung gewinnen Beratungsangebote zu Ernährung und Stressbewältigung.
Öffentliche Apotheken haben nach dem Research von Boedecker.Colleagues die Chance, sich über den Heilberuf und ihr Kerngeschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten (Rx-Präparate) hinaus zum umfassenden Gesundheitsakteur für medizinische Versorgung und Prävention zu entwickeln. Von dem seit Oktober 2025 im Entwurf vorliegenden Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) dürften mit einer Neuverteilung gesundheitlicher Aufgaben sowie der Möglichkeit der Telepharmazie zusätzliche Impulse ausgehen. Aktuell impfen die Apotheken bereits gegen Grippe und Covid-19, sie nehmen Blutanalysen vor, beraten in Ernährungsfragen und unterstützen häusliche Behandlungen durch sogenannte Therapiemanager. Zukünftig sollen sie wahrscheinlich alle Impfungen mit sogenannten „Totimpfstoffen“, patientennahe Schnelltests zur Prävention sowie pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) zum Optimieren der Arzneimitteltherapie honoriert anbieten können. Daraus ergeben sich Möglichkeiten für ein strategisches Innovationsmanagement: Öffentliche Apotheken haben die Option, sich im Preiswettbewerb mit Online-Apotheken, Drogerieketten und (zukünftig wahrscheinlich auch) Lebensmittel-Einzelhandel über Leistungsangebot und Kundenbeziehung, Corporate und Personal Brands zu differenzieren.
Gesundheitstechnologien, digitale Gesundheitstrainings
Gesundheitstechnologien (Health Tech) und mobile Anwendungen (Gesundheits-Apps, Wearables) haben sich auch in Bezug auf gesunde Langlebigkeit beziehungsweise Longevity zu einem relativ schnell wachsenden Geschäftsfeld entwickelt. Sie werden als „Software as a Service (SaaS)“ angeboten. Im Mittelpunkt der Fitness-, Wellness- und Coaching-Apps steht das Optimieren von persönlichen Verhaltensweisen (Biohacking) sowie daraus resultierende Prävention und Gesundheit. Vor diesem Hintergrund werden beispielsweise Bewegung, Schlaf und Sauerstoffsättigung „getrackt“.
Ein möglicher Aspekt ist beispielsweise das kontinuierliche Überwachen von Herz-Kreislauf-Funktionen oder Blutzuckergehalt. Aus dem „Biofeedback“ lassen sich für die Ernährung selbständig Lerneffekte ableiten. In einem weiteren Schritt können Spezialisten die Messergebnisse interpretieren, um als „Health-Coaches“ personalisierte Ernährungs- und Bewegungsempfehlungen zu geben. Perspektivisch ist dies auch automatisiert auf Basis Künstlicher Intelligenz sowie im Rahmen der Telemedizin möglich.
Zunehmende Bedeutung erlangen von Arbeitgebern finanziere Gesundheits-Apps für mentales Wohlbefinden. Meist basieren diese auf der kognitiven Verhaltenstherapie und verrmitteln interaktive Strategien zur Stress- und Angstbewältigung sowie Schlafoptimierung. Damit lassen sich von Mitarbeitenden zum Steigern psychischer Widerstandsfähigkeit verstärkt nachgefragte „Mental-Health-Benefits“ anbieten. Gleichzeitig ist den durch Einflüsse der VUCA-Welt steigenden Fehlzeiten gegenzusteuern. Über die Apps werden psychologische Gruppensessions, digitale Vorträge, Workshops und Trainings angeboten.
Unter bestimmten Voraussetzungen unterstützen auch die gesetzlichen Krankenkassen die Nutzung von Gesundheits-Apps: Als Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind diese auf bestimmte Krankheitsbilder (Indikation) abgestimmt. Entsprechend lassen sie sich als digitale Therapeutika seit dem Jahr 2020 von Ärzten oder Psychotherapeuten als „App auf Rezept“ verordnen. Voraussetzung ist, dass die DiGA in das Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgenommen werden. Nach einer Erprobungsphase müssen sie in wissenschaftlichen Studien ihre Wirksamkeit beweisen.
Anwendungsfelder sind beispielsweise Diabetologie, Gynäkologie, Kardiologie, Logopädie, Psychotherapie und Physiotherapie. Von anfalIenden therapierelevanten Daten lassen sich in der Regel einfache Datenauszüge für die behandelnden Ärzte erstellen sowie in elektronische Patientenakten (ePA) einstellen. Die Vergütung der Software-Hersteller ist ab dem Jahr 2026 auch von anwendungsbegleitenden Erfolgsmessungen abhängig. Nach Einschätzung von Boedecker.Colleagues wird dies zu einem erhöhten Qualitätswettbewerb durch inklusive Technik sowie einfache Bedienmöglichkeiten beitragen. In Studien wird aktuell geklärt, ob durch DiGAs die medizinische Versorgung sowie die gesunde Langlebigkeit in ländlichen Räumen optimiert werden können. Anbieterseitig ist das Entstehen von Oligopolstrukturen mit „DiGA-Manufakturen“ zu beobachten.
Langlebigkeitsmedizin
Nicht zuletzt fällt unter Longevity auch das Entwickeln von innovativen Wirkstoffen und Medikamenten. Davon soll ein Teil primär alterstypischen Krankheiten vorbeugen oder diese behandelbar machen. Sogenannte Systemwirkstoffe lassen sie sich aber gelegentlich auch als Lifestyle-Medikament einsetzen. Voraussetzung für Marktzulassungen beispielsweise nach Arzneimittelgesetz sind anerkannte medizinische Indikationen; im Vorfeld ist ein Einsatz nur im Rahmen von Härtefall-Programmen oder individuellen Heilversuchen möglich. In der sogenannten „Entwicklungs-Pipeline“ von Biotechnologie-Unternehmen sind unter anderem Mittel gegen Krebs, Typ-2-Diabetes, Alzheimer, Parkinson und Schlaganfälle.
Ein anderer Teil von Medikamenten hat allein das Ziel der Langlebigkeit. Er soll die Zellalterung (z.B. durch Zellreinigung) stoppen oder sogar umkehren bzw. die Neubildung von Zellen unterstützen. Unter Einsatz Künstlicher Intelligenz sollen dafür das Zusammenwirken der bis zu 40 Billionen menschlichen Zellen und ihre zwei Milliarden chemischen Reaktionen pro Sekunde besser verstanden werden. Aktuell arbeiten schätzungsweise 200 Biotech-Unternehmen auf der Basis von Risikokapital (Venture Capital) an derartigen Konzepten; der entscheidende Durchbruch zur Unsterblichkeit wird von einigen Spezialisten für das kommende Jahrzehnt erwartet.
Aktuelle Markttrends
Unabhängig von ethischen Fragen: Viele Angebote mit dem Versprechen von Longevity bleiben wahrscheinlich eher dem Luxussegment vorbehalten. Beispielsweise übernehmen die Krankenversicherungen nicht die Kosten für bestimmte Untersuchungen, Therapien sowie Lifestyle-Anwendungen von Medikamenten.
Selbstoptimierung und Vorsorge sind jedoch bereits im „Massenmarkt“ angekommen. Dies führt bereits zu Transformationsprozessen; unter anderem werden analoge Angebote zur Gewichtsreduzierung sowie nicht hinreichend differenzierte Sportangebote verdrängt. Insgesamt bestehen für Unternehmen vielfältige Ansatzpunkte, um Leistungsangebot und Positionierung unter Berücksichtigung von Longevity zu optimieren beziehungsweise neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Boedecker.Colleagues unterstützen Sie mit Research-Leistungen, passende Ideen zu finden sowie für Strategieentwicklung, Marken- und Innovationsmanagement, Unternehmens- und Finanzkommunikation sowie Personalmarketing zu konkretisieren. Dabei besteht für uns auch die Möglichkeit von Kooperationen.
Zu welchen Ideen möchten Sie sich mit uns austauschen? Nehmen Sie doch Kontakt mit uns auf!